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Wie wird man zur aufmüpfigsten Phantastin Deutschlands?

Moin moin, ihr Lieben!

Ja, ich beschäftige mich derzeit viel mit dem Thema Zielstellung. Tja,  und worauf genau ich damit in diesem Artikel hinaus will ...

Zur besseren Einordnung hier erst einmal ein kleiner Rückblick auf die Leipziger Buchmesse 2016 (ja, das ist schon eine Weile her ^^). An meinem Autorinnenstand kam damals in einem Gespräch die Frage auf: "Worum geht's in deinen Büchern?"
Ich darauf so: "Joa, das ist sowas irgendwo zwischen Terry Pratchett und Walter Moers."
Mein Gegenüber (Autor): "Oha, das ist aber ein ganz schön hoher Maßstab."
Ich: *lege den Kopf schief* Hm. (in Sinne von: "Joa ... Wirklich? Ich habe darüber noch gar nicht nachgedacht. " ^^')

Was genau dieses beiläufige Gespräch eigentlich für eine Tragweite hat, habe ich erst vor Kurzem so richtig begriffen. Denn zunächst hatte ich mir bei meinem damaligen Erklärrepertoire gar nicht so viel gedacht. Ich habe halt einfach nur gesagt, was Sache ist, weil ich damals völlig neu auf dem Markt war und die Leute halt gern in Schubladen denken. Dem entsprechend überrascht war ich damals, dass mein flapsiger Erklärsatz von diesem einen Menschen als 'Vision' empfundenen wurde.

Aber was ist ein Ziel oder eine Vision?

Ich gebe zu, dass sich meine Geschichten vom Genre her eben zwischen Moers und Pratchett einordnen, sehe ich persönlich gar nicht so wirklich als Vision. Ich schreibe eben in dieser "Schublade", weil ich gerne dort schreibe (für die nicht ganz Genre-Kundige unter euch: Es handelt sich um Phantastik mit humoristischen aber ebenso philosophischen oder gesellschaftskritischen Elementen) und das ist für mich selbstverständlich, also mein Stil. Ich habe es mir demnach nie wirklich zum Ziel gemacht, wie diese beiden Herren zu schreiben. Das, was ich schreibe, ist im Eifer des Gefechts eben so wie es da steht passiert. Genau wie dieser Artikel hier. ^^

Wenn mir hier also jemand ein Ziel oder eine Vision in dieser Hinsicht unterstellen wollte, so war das bei mir höchsten eine unbewusste Angelegenheit. Denn diese vermeintliche Vision war für mich ja von Anfang an beim Schreiben Realität (und daher nie ein Ziel gewesen).

Wie gesagt, ich beschäftige mich zurzeit sehr mit dem Thema Ziel und Zielstellung. Und ich finde es immer wieder spannend, welche Ziele wir uns so im Leben und im Alltag setzen. Noch spannender ist es, was diese Ziele mit uns machen oder was sie über uns verraten.
Wie ist es mit euch? Was ist eure Vision? Euer Ziel im Leben, in diesem Jahr, in dieser Woche, für heute? Und meint ihr es mit diesem Ziel wirklich ernst? ^.~

Mir fällt (auch in meinem eigenen alltäglichen Leben und Umfeld) oft auf, dass wir uns gern Ziele um des Zielesetztens Willen setzen. Die Neujahrsvorsätze sind diesbezüglich übrigens der Klassiker schlecht hin. Andere Ziele können jene sein, die erst einmal andere und, oder die Gesellschaft von uns erwarten: Den Schulabschluss machen. Ein "seriöses" Studium abschließen. Heiraten und eine Familie gründen. Im Beruf erfolgreich sein. Viel Geld verdienen. Ein Haus bauen. Usw.
Was wir bei diesen Zielen aber oft nicht so genau betrachten ist, warum wir sie verfolgen. Oder warum die Ziele denn für uns persönlich überhaupt wichtig sind?
Ein Beispiel bei mir ist, dass ich damals zwar als Schülerin den Führerschein gemacht habe, schon wenig später aber feststellte, das Autofahren für mich der letzte Mist ist. Ich fahre lieber Bahn, weil es da viel entspannter ist, habe den Führerschein seiner Zeit aber gemacht, weils halt so üblich war.
Anders war das bei mir da mit dem Schreiben eines eigenen Romans. Das entsprach nämlich so gar nicht der allgemeinen Zielvorstellung, schon gar nicht mit Mitte 20, wo doch erstmal der berufliche Erfolgskurs im klassischen Sinne auf die Agenda gehörte. Doch das Ziel ein Buch zu schreiben war für mich irgendwann ein so dermaßen ernsthaftes Thema, dass ich es einfach durchzog und bis heute immer wieder durchziehe, was mich dann allerdings vor das Problem des tatsächlich erreichten Ziels stellte. ^^'

Der Unterschied zwischen dem Ziel und einer echten Vision

Es ist nicht leicht zu entscheiden: Setze ich mein Ziel realistisch oder denke ich lieber in großen Maßstäben?
Was wir - aufgrund der uns anerzogenen Organisationsstrukturen - wohl am häufigsten tun, ist Ersteres. Das klare erreichbare Ziel in solide bemessbarem Risikoradius eignet sich gut, um zu kalkulieren und bietet ein vertretbares Maß an Erfolgserlebnissen. Dazu gehören: Das Abi machen. Eine Ausbildung machen. Einen. sicheren Job finden. Irgendwann in Rente gehen. Oder wie in meinem Fall: Einen Roman schreiben.

So, das Ziel ist erreicht. Aber was dann? Ja, dann wird es für Menschen mit ein bisschen Ehrgeiz schon etwas kompliziert. Gut, ich hab mich schon gefreut, als ich meinen ersten Roman nach einer nicht ganz unkomplizierten Odyssee vor mir als gedrucktes Buch liegen hatte. Aber schon wenig später stand ich vor dem "Was nun?" oder viel mehr dem "Wohin geht es jetzt?". Gut dann eben noch ein Buch und noch eins... Hm. Oh ja, Bücher muss man ja auch verkaufen und verkaufen und verkaufen... Ja, wie war das noch gleich mit dem "Warum" und diesem "Ziel"? Ich habe in den vergangenen Monaten erst so richtig begriffen, dass ich seit dem Erscheinen meines Debütromans irgendwie ziemlich ziellos unterwegs war und wieder einmal das machte, was "man" eben so macht, wenn "man" ein geschriebenes Buch oder sogar mehrere Bücher an der Backe hat. Ich war nicht mehr nur Autorin, jawohl! Ich war eine Verkäuferin geworden! ^^'

Tja, Zielstellung? Was war das noch gleich? Ich beschäftige mich derzeit sehr intensiv mit diesem Thema und darüber hinaus auch mit dem Thema Fokus. Ich habe in der letzten Zeit viel zu diesen Sachen gelesen, gesehen und gehört. Das Ergebnis war die Frage: Wer will ich sein und was will ich erreichen? (Viel sagende Ironie: Genau darum geht es auch in meiner Roman-Trilogie "von Bitterweg" ^^')
Meine Antwort heute: Na, ganz bestimmt keine Verkäuferin! (Ich habe natürlich nichts gegen Verkäuferinnen an sich. ^^ ABER:) Ich bin Schriftstellerin. Und nicht nur irgendeine. Ich bin die aufmüpfigste Phantastin Deutschlands (mindestens ^-^)! Und ja, ich werde das jetzt so auch durchziehen. Ich will, mit dem, was ich tue, gefälligst jede Menge Menschen erreichen, sie bewegen und etwas in ihnen wecken, woran sie selbst vielleicht gar nicht mehr gedacht haben. Und genau das ist es ja auch, was ich tue, mit meinen Büchern, meinem Verlag und seit Neuestem auch mit meinem Podcast "Schreib Chaos!" oder meinen Schreibkursen. Nur bisher eben ohne konkret benanntes Ziel.

Ja, ja, ich freue mich natürlich, wenn meine Bücher und Geschichten eine Leserschaft finden und damit etwas Geld in meine Verlagskasse spülen. Aber Letzteres ist ein hübscher Nebeneffekt, der gerade mal zur Kostendeckung beiträgt. Mehr aber auch nicht. Problematisch wird bzw. wurde es für mich allerdings, als dieser Nebeneffekt bei mir zunehmend in den Fokus rückte - weil mir das nächste Ziel, sprich die nächste Etappe fehlte. Das Ende vom Lied war, dass ich zwar irgendwo immer noch Autorin war, aber mich hauptsächlich nur noch um Marketing, Buchverkäufe und neue Vertriebswege kümmerte. Das kostete nicht nur Zeit sondern auch eine gehörig Menge Energie und Nerven - und war für mich mehr Hamsterrad, als das realisieren einer Vision.

Also habe ich mich kurzerhand für die - wie ich finde sehr, sehr schöne und äußerst spannende - Vision von mir als der aufmüpfigsten Phantastin Deutschlands (und darüber hinaus) entschieden und zupfen auf diese Weise lieber emsig an dem Istzustand als irgendwem irgendwohin auf ausgetretenen Pfaden (oder Autobahnen ^^') hinterherzuhechten, wie auf einem Endlossprint. Ich lass mich nämlich gerne überraschen, nicht zuletzt weil das ja auch um Längen viel mehr Spaß macht. ^.~

In diesem Sinne: Worin besteht eure persönliche Vision? ^-^

Eure Platti

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