· 

Das "Ich mach das sofort!"-Bedürfnis" (Monatskolumne)

monatskolumne - ich mach das sofort bedürfnis

Moin moin, ihr Lieben! ^^

 

Ja, vielleicht kennt ihr das auch, entweder von euch selbst oder auch von Menschen - meist sehr hilfsbereiten und sehr lieben Menschen - in eurem Umfeld. Heute geht es nämlich mal um etwas in Sachen Arbeitsorganisation, Achtsamkeit und ein stetiges Bedürfnis, das genau zwischen diesen Stühlen steht.

"Ich brauch' mal was" ist nicht das Gleiche wie "Ich brauch' das jetzt"

Ich hatte kürzlich erst zwei solcher Begebenheiten. Es ging darum, dass ich jeweils etwas für den Verlag benötigte, was meinerseits aber nicht drängte. Jede der beiden - in dem Fall sehr liebens- und schätzenswerten - Damen erwiderten auf mein Anliegen umgehend etwas in der Art von "Ja, das mache ich gleich heute Abend!" oder "Ja, das mache ich gleich dieses Wochenende." - Schön, das klingt bis hier hin noch nicht sonderlich spektakulär. Aber ich weiß von beiden so viel, dass sie generell viel zu tun haben und trotzdem dazu neigen, sich obendrauf mehr Arbeit aufzubürden als der Tag Stunden hat. Tja, und darauf kamen dann noch ihre (wie auch in diesem Fall) selbstgesetzten und - wie ich kaum, dass ich sie vernommen hatte, wusste - unmöglichen Deadlines. ^^'

 

Gut, bis hier hin war ja noch alles halb so wild. Ich habe in beiden Fällen mitgeteilt, dass ich die Sachen wirklich aller spätestens zu dann und dann (in überschaubar ferner sowie realstisch machbarer Zukunft) brauche und dass es keinen Grund gibt, deshalb in Stress zu verfallen. Gerade die letzte Bemerkung benutze ich im Übrigen (nicht nur bei diesen beiden) relativ häufig, zum einen, weil ich sie genau so meine, und zum anderen, weil sich meist schon an gewissen Anzeichen ablesen lässt, dass mein Gegenüber sich diesen unnötigen Stress gerade live und in Echtzeit aufoktroyiert.  Na ja, aber wie das so ist, wenn man was sagt und es eigentlich nur gut meint ... Ausgerechnet das wird erstmal überhört, weil bereits das "Ich muss das jetzt und gleich und besser noch sofort erledigen!"-Bedürfnis angesprungen ist.

 

Das Ergebnis: Einmal gab es die Rückmeldung, dass man es nicht zu dem dann doch wieder selbst vorverlegten (unmöglichen) Abgabetermin schaffe und mein Hinweis, dass es nicht dränge, dann zum Glück doch noch als Option - wenn auch mit deutlich schlechtem Gewissen - wahrgenommen werde. Das andere Mal wurde mein Hinweis zumindest zum Teil beherzigt und der eigene (ebenfalls recht unrealistische) Termin um ein paar Tage nach hinten verlegt. Trotz allen guten Zuredens ("Mach dir keinen Stress, ich weiß, dass das manchmal dauert, und sag mir in dem Fall einfach rechtzeitig Bescheid.") erhielt ich eine Teilarbeit mit ein paar sehr sinnvollen Fragen, aber auch mit der Mitteilung, weshalb man es noch nicht im Ganzen habe und eine Besserung gelobe, die ich nicht einmal eingefordert hatte, weil ich ja weiß, wie diese Arbeit aubläuft. (Ja, ich widerholer mich hier etwas mit Absicht. - . -° ) - Mir blieb in beiden Fällen schlussendlich nur noch die Option, meine übliche Rede von "Mach dir keinen Stress, es drängt ehrlich nicht, denn ich brauch es langfristig." zu wiederholen.

Warum wir SOFORT niemals Zeit haben

Kennt ihr solche oder ähnliche Situationen in eurem Umfeld? Oder gehört ihr eher zu denen, die ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie - meist nur einen Gefallen - mit dem Hinweis "sofort" zusagen, es aber nicht sofort schaffen ihn umzusetzen, weil euch plötzlich auffällt, dass ihr sofort gar keine Zeit habt?

 

Letzteres ist übrigens der Normalfall, also das Sofort-keine-Zeit-Haben. Das liegt daran, dass die meisten Menschen ein recht ausgefülltes Leben führen, sei es mit der Familie, dem Beruf oder einer Passion. Demnach ist es - eigentlich - völliger Unsinn anzunehmen, dass irgendwer grundsätzlich erwartet, dass wir etwas jetzt und sofort tun, sobald man es uns aufträgt. Schön, es gibt immer ein paar Personen, die das wirklich so meinen. Aber wenn das nicht explizit zum jeweiligen Berufsbild des- oder derjenigen, der oder die die Aufgabe ausführen soll, gehört oder wirklich dringend ist, würde ich persönlich den Umgang mit solchen Menschen - gerade privat - so weit wie möglich einschränken. Schließlich ist es ja in den seltensten Fällen so, dass wir nur sehnsüchtig darauf warten, dass uns endlich jemand sagt, dass wir endlich einmal etwas machen sollen. Nein, im Normalfall, ja sogar auf der Arbeit tun wir immer igrendetwas - oder haben im besonders vorbildlichen Idealfall obendrein noch einen richtigen Plan, wann wir was wie nacheinander angehen können, um alles so zu schaffen, wie wir uns es vorstellen.

 

Mit anderen Worten: im Grunde ewartet niemand von uns, dass wir etwas umgehend, gleich und sofort erledigen - machmal (oder eigentlich sehr häufig sogar) wird nicht einmal erwartet, dass wir es überhaut tun. - Kennt ihr das? Jemand im Büro sagt: "Der Kaffee ist leer." - "Es ist kein Papier mehr im Koppierer." - "Wir brauchen ein Protokoll für diese Sitzung."

Wer von euch fühlt sich angesprochen? - Oder auch schön: Wer von euch fühlt sich angesprochen und "opfert" sich (mit den Augen rollend wie auch seufzend), wenn so gar keiner von den anderen auf diese Aussagen reagiert? ^^

Noch eine Frage: Warum reagiert ihr in diesem Moment überhaupt wie auf eine Handlungsaufforderung?

 

Fakt ist, keine dieser drei Aussagen beinhaltet eine Aufforderung zum Handeln. Es sind lediglich Aussagen, die sich nicht einmal an wen bestimmtes richten. Worauf ich hinaus will? - Was ist, wenn es bei solchen Aussagen um Umfangreiche aufgaben geht? "Wir brauchen noch einen Kuchen für den Basar." "Wäre es nicht schön, wenn wir einen Flyer, eine Broschüre oder einen regelmäßigen Newsletter hätten?" "Jemand sollte dazu unbedingt einen Vortrag halten." Usw.

Wenn wir helfen wollen und nur Frust die Folge ist

Ja, warum sagen wir etwas zu, obwohl wir wissen, dass wir eigenlich mehr als genug auf der To-do-Liste haben, und fügen dann auch noch als Sahnehäubchen des realen Irrsinns das Wort "sofort" oder eine unmögliche Deadline hinzu? - Ich muss einräumen, dass ich es lange Zeit nicht viel anders gehandhabt habe. Aber was die Gründe dafür waren ... Das ist nicht leicht zu sagen. Vielleicht der Wunsch, Erwartungen zu erfüllen. Vielleicht die Angst davor, jemanden zu enttäuschen oder zu verärgern. Vielleicht auch - und ich glaube das ist bei mir in den meisten Fällen der Grund - die Absicht, das zu tun, was ich immer tat, eben weil es irgendwo eine Gewohnheit war. Eine auf Dauer stressige und zermürbende Gewohnheit, wie sich zeigte. Denn letztendlich verzettelt man sich, schafft das eine oder andere dann doch nicht - und wenn dann in eher mäßiger Qualität. Je nachdem, wie unser Gegenüber gestrickt ist, kann Letzteres obendrein noch eine enttäuschte Reaktion in Form von "Du hattest aber gesagt ...", "Das könnte aber besser sein." oder "Ich hatte mir das anders vorgestellt." nach sich ziehen. Wenn bis dahin nicht schon das schlechte Gewissen, etwas nicht geschafft zu haben, kräftig läutet, so schlägt es spätestens jetzt Alarm. - Ade, Selbstwertgefühl. Ade, "Schön, dass ich dir helfen konnte."

 

Tja, und damit wären wir bei meinen letzten beiden Fragen und der Kernausage dieses Artikels.

Warum investieren wir so viel Zeit da rein, uns schlecht zu fühlen? Wäre diese Zeit nicht für ganz andere (schöne) Dinge viel, viel besser aufgehoben? ^.~

 

Wie gesagt, ich habe sowohl meine eigenen Erfahrungen dieser Art gemacht, als auch genug andere Menschen dabei beobachtet. In zwischen habe ich mir ganz gut abgewöhnt, sofort zu springen, wenn einfach nur eine Aussage herrenlos im Raum landet. Aber ich helfe gerne, wenn ich kann und ich danach gefragt werde. Das ist im Übrigen auch gar nicht so unwichtig, wenn ich meine Arbeit im Verlag und als Autorin mit allem Anderen unter einen Hut kriegen will. Aber nur auf diese Weise macht es eben Spaß - und ja, so machts auch Spaß zu helfen. ^-^

 

Also: Probiert's doch einfach einmal aus, im Zweifel erstmal einen Blick auf eure To-do-Liste oder in euren Kalender zu riskieren, bevor euer "Ich mach das sofort"-Bedürfnis die überambitionierte Zusage von sich gibt. Oder - für den Fall - dass ihr eher zur (machmal vielleicht auch unbewusst ^^') bittstellenden Fraktion gehört, achtet bei Gelegenheit mal bewusst darauf, wenn besagtes Bedürfnis in euren betroffenen Mitmenschen mal wieder überhand nimmt und bittet sie einen Gang runter zu schalten, wenn's nicht drängt. (Schließlich ist genau das meistens ja auch der Fall. ^.~)

 

In diesem Sinne: Wie sehen eure Erfahrungen mit dem "Ich mach das sofort"-Bedürfnis aus? ^^ Ich freu mich wenn ihr den einen oder anderen Gedanken hier in den Kommentaren hinter lasst oder wenn ihr im Stillen mehr hier von lesen wollt, einfach meinen Newsletter abonniert. ^.~

 

Eure Platti

Kommentar schreiben

Kommentare: 0