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Warum wir nicht gleich sind und es auch nicht sein müssen (Kolumne zum internationalen Frauentag)

Moin moin, ihr Lieben! ^^
Ich wünsche euch (und einfach mal ganz unabhängig von der klassischen Geschlechterzuordnung) einen schönen internationalen Frauentag. ^-^ Doch heute soll es mir mal weniger um "Gleichberechtigung", als um das oft auch mal damit verwechselte "Gleichsein" - oder viel mehr das "Nichtgleichsein" - gehen und warum es wichtig ist, dass wir das nicht aus den Augen verlieren. ^.~

Wir sind nicht gleich (und das ist - eigeintlich - normal)

Ja, manchmal kann das ganz schön verwirrend sein. Gleich ist nicht gleich - und trotzdem ist das schon auch eine Form von Gleichberechtigung (die übrigens nicht nur die Frauen dieser Welt betrifft). So, aber jetzt endlich mal Klartext: Worauf will ich eigentlich hinaus?

 

Ganz einfach, Menschen sind nicht gleich. Doch damit meine ich nicht nur die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die sich bereits anhand der Physiologie bis hin zu unterschiedlichen Vorgängen im Stoffwechsel (und ich meine keineswegs "nur" die Hormone) abzeichnet. Selbst Männer und Männer sind nicht gleich, genauso wie Frauen und Frauen nicht gleich sind und es ebenso Menschen gibt, die sich nicht einmal in diese duale Schubladendenke einsortieren lassen. Das ist ja letztendlich auch Anlass der in letzter Zeit immer häufiger angesprochenen Transgenderdebatte.

 

Schön, es klingt abgedroschen: "Jedes Menschenwesen ist ein Individuum. *Regebogen stahlt und Einhorn tanzt*" Aber auch wenn wir uns immer gerne in soziale Gruppen, Geschlechterrollen oder sonstige thematische Schubladen einordnen lassen, selbst in diesen oft sorgfältig konzipierten Gehegen unterscheiden sich die Menschen darin von einander. Alle verfügen über einen unterschiedlichen Erfahrungsschatz, unterschiedliche Stärken, Schwächen und Interessen. Also: Menschen sind nicht gleich.

 

Warum aber tragen wir diesem allgegenwärtigen "Nichtgleichsein" so wenig Rechnung? Und damit wäre ich schließlich doch wieder bei dem Thema des internationalen Tages zu den Rechten der Frau - es passt eben sehr schön als Beispiel. Warum gibt es an und für sich nur dieses eine zentrale Bild der Frau? Sprich: Eine Frau - ist zu allererst besser erst einmal ein Mädchen. Denn wer will schon so eine alte Schachtel um sich haben? Also, eine Frau ist schön, jung, nett, lieb, angenehm, leise, kümmert sich um ihre Familie, eckt nicht an, sagt nicht nein, darf auch mal alt sein, wenn sie Mutter oder Oma ist, unterstützt, hat aber nicht viel mit Sachlichkeit oder komplexen Dingen am Hut, weil sie ja doch eher emotional ist, und das stört dabei ja nur. Na schön, als Pendent gibt es dahigegen tatsächlich noch eine zweite sehr beliebte Schublade (wir mögen es schließlich gerne dual, zweiseitig, wie eine Münze). Wenn Frauen nicht fürsorglich und familienfreundlich sind, sind das dann eben die Karrierefrauen, die natürlich im Idealfall nicht weniger attraktiv aussehen sollten, aber mindestens vier mal so oft wie "normale" Frauen ihre Tage haben, zickig sind, unangenehm auffallen, weil sie den Mund auf machen und ihre Meinung sagen, recht haben wollen, sich nicht gleichberechtig fühlen und sowieso untervögelte Emanzen sind - oder Lesben - weil ein selbstbewusster Mann es mit soetwas ja im guten gar nicht aushalten kann.

Gut, mittlerweile tendiert man - weil Frauen ja jetzt emanzipiert sind - natürlich auch gern zu einem vielseitigen Frauenmodell, dass vornehmlich Frauen in der unteren Mitte ihres Lebens beschreibt: Das Prinzip der eierlegenden Wollmilchsau - oder: Die häusliche, wunderschöne, multitasking Karrieremutter, die den Stress ihres Vollzeitjobs, Kinderhütens, Haushaltführens und perfekt Stylens mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen und höchst erfüllter Lebensfreude durchtänzelt.

 

An dieser Stelle mal eine Frage an die Damen unter den hier Lesenden: In welcher kuscheligen Schublade findet ihr euch gerade wieder? Und eine ähnliche Frage an die Nicht-Damen unter den hier Lesenden: Wie gut lassen sich die Frauen, die ihr kennt, in diese Schubladen einsortorieren?

 

Vielleicht geht es euch ähnlich wie mir, denn entweder kriege ich persönlich in diesen Schubladen nicht alles von mir unter (ohne einen Großteil der aufgezählten Aspekte abzuändern) oder es ist schier unmöglich das ganze Komplettprogramm zu erfüllen (bzw. erfüllen zu wollen ... >.<*). Versteht ihr worauf ich hinaus möchte? Sehr ähnlich könnt ihr das im Übrigen auch mit Männern durchspielen - wobei ich bezweifle, dass hier das Prinzip der eierlegenen Wollmilchsau bereits spruchreif ist. Aber zur Gleichberechtigung komme ich gleich noch einmal. ^.~

 

Was mich viel mehr beschäftigt ist die Frage, warum wir uns - speziell als Frauen - selbst so sehr einschränken und auf etwas reduzieren, das eine - von ich weiß auch nicht genau woher ... - zusammengeschusterte Idealvorstellung ist und so wie so nicht erfüllt werden kann. Schließlich ist die Konsequenz, die daraus folgt, dass wir etwas Nicht-Schaffbarem nachhechten, ein herabsetzen unseres eigenen Wesens und unserer unbestreitbaren Qualitäten. Wir fangen an, uns zu fragen: Warum schaffe ich das nicht? Warum bin ich nicht gut genug? - Wir fragen uns kaum: Muss ich das schaffen? Will ich das schaffen? Und wenn ja, warum? Was wir ständig vergessen - und da sind besonders Frauen Meisterinnen drin - ist zu sehen, was wir da eigentlich den ganzen lieben Tag leisten, die "Erfolge" zu genießen und uns dafür auch mal selbst mit Anerkennung zu versehen - besonders, wenn die Anerkennung von außen wie so oft sehr lange auf sich warten lässt. Wir vergessen zu oft, dass es sehr wohl auch Vorteile hat, mal (oder häufiger oder immer wieder) etwas anders zu machen, anders zu sein und aus dem Rahmen zu fallen. Gut, wer aus dem Rahmen fällt eckt an. Aber warum beharren wir so sehr auf diese Rahmen, wo sie uns (völlig unabhängig vom Geschlecht) in unserer Vielfalt doch so dermaßen einengen und sehr oft sogar kaput machen?

Gleichsein ist etwas anderes als Gleichberechtigung

Unser Grundgesetzt ist im 1. Absatz seines 3. Artikel - wie ich meine - ja durchaus eindeutig: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich." So die Rechtslage. Trotzdem unterscheiden wir rein von unserer sozialen Prägung her zwischen "Frauenberufen" und "Männerberufen", weil das Auftauchen des jeweils anderen Geschlechts unser Bild von diesen Berufen stört. Aber warum halten wir uns so demaßen lange mit solchen launischen Befindlichkeiten auf und schätzen nicht einfach nur die mühevolle Arbeit mithilfe sowohl materieller als auch immaterieller Anerkennung einfach wert? Warum muss eine Frau immer hübsch und fürsorglich sein? Warum muss ein Mann auf den Putz hauen und sich behaupten wollen? Und wehe diese Attribute verlagern sich mal (natürlich ganz ausversehen) auf das falsche - Pardon! Ich meine natürlich - das andere Geschlecht? - Dann heißt es entweder "Zicke" oder "Memme".


Wo bleibt da unsere Toleranz oder vielleicht auch nur eine gesunde "Das ist mir doch egal, so lange ich selbst nicht genau so sein und leben muss"-Haltung? Man muss ja nicht immer mögen, wie das Gegenüber so drauf ist. Ich sagte es ja schon: Wir haben die gleichen Rechte (zumindest ideell), sind frei darin, nicht gleich zu sein (Das ist übrigens Artikel 2 unseres Grundgesetzes). Es handelt sich hierbei schlicht um die Frage des gegenseitigen Respekts. Und ja, das gilt besonders dann, wenn ich die Position und die Lebensweise des besagten Gegenübers sowas von gar nicht nachvollziehen kann, solange er oder sie dadurch niemand anderem einen Schaden zufügt. Auch das gehört nun einmal zur Demokratie - auch wenn es einem, gelegentlich den letzten Nerv raubt. Aber wie sonst, sollte man mit einer Haltung anderer Art umgehen? Klar, alternative Beispiele gibt es ja zu hauf. Doch will man, diese (anderen) Menschen einsperren? Umerziehen? Brechen? Töten? - Oder ihnen einfach nur einen Ehepartner - oder ein patriarchales Familienmitglied an als Vormund an die Seite stellen und sie von jedweden Rechten zur Selbstbestimmung entbinden?

 

Da fällt mir ein, wie lange ist es noch gleich her, dass (im ehemaligen Westdeutschland) Ehemänner ihren Frauen verbieten konnten, arbeiten zu gehen? Das ist etwas mehr als 40 Jahre her. Nicht einmal eine Generation. Und wie lange haben Frauen in Deutschland das Recht durch Wahlen politisch mitzuentscheiden? Gerade einmal 100 Jahre. Im Hinblick auf eine Menschheitsgeschichte von mehreren Tausend Jahren Zivilisation, in denen Frauen vermehrt als Eigentum oder eine Art Sachwert betrachtet wurden, ist das nichts. Kein Wunder also, dass wir so sehr an diesen vermeintlich klassischen Rollenbildern sowie einem Sicherheit vortäuschenden Schubladendenken hängen und uns nur sehr schwer davon lösen können. Die festen Bilder und Rollen von Mann und Frau haben sich tief in unsere soziokulturelle Prägung geschliffen. Und da mittenrein platzen nun Leute mit Transgendertoiletten, Frauen in Führungspositionen und Schlimmeres. ^.~

Wie gehen wir besser mit dem Nichtgleichsein um?

Es stellt sich die Frage: Wollen wir an diesen althergebrachten Haltungen festhalten? Nun, da wir inzwischen ja sowohl das Frauenwahlrecht als auch keinen Kaiser mehr haben, denke ich mal, die Richtung heißt: "Ja, es gibt Veränderung." Ob diese gut oder schlecht ist, sei einmal dahin gestellt. Da wir aber eher an Übergewicht leiden und uns Fragen wie "Was ziehe ich heute an?" mehr beschäftigen als die Frage "Wie überlebe ich den nächsten Winter?", kann ich an dieser Stelle wohl guten Gewissens behaupten, dass wir in einem weltgeschichtlich bisher noch nicht dagewesenen Wohlstand leben. Dass es nicht noch besser ginge, eben in dem Sinne, dass es immer mehr und mehr Menschen gut geht, liegt nun im Spielraum der Veränderung. Schön, sie kann unbequem sein und manch einen oder eine auch schockieren, aber die Welt und alles, was im unendlich Großen wie auch im minimal Kleinen mit ihr zusammenhängt, ist nicht konstant sondern im Wandel.


Kurz um: Irgendwas hält uns wohl doch immer wieder mal davon ab, vermeintlich immer da gewesene Taditionen aufrechtzuerhalten. Also können wir uns entweder darüber aufregen, schimpfen und uns an längst Vergangenes klammern oder wir gucken mal ganz aufgeschlossen und - wichtig - mit eingeschaltetem Verstand auf das, was da so kommt und versuchen unsere Geschicke selbst zu gestalten. Letzteres lässt mich persönlich um einiges besser Schlafen. ^.~

 

In diesem Sinne: Seid und bleibt aufgeschlossen, gebt euch lieber einmal mehr unkonventionell als einmal zu wenig und macht euch noch einen schönen Tag der Frau. ^-^

Eure Platti

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