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Viel schreiben, viele Ideen - aber "nur" eine Geschichte? (Kolumne zum Monatsende)

Viel schreiben, viele Ideen - aber nur eine Geschichte (Die Monatskolumne von Autorin und Stichblatt Verlag Gründerin Platti Lorenz)

Moin moin, ihr Lieben! ^^

Wie war euer Start ins neue Jahr bisher? Und wie steht's um eure guten Vorsätze und eure Projekte, die ihr für dieses Jahr in Angriff nehmen wollt oder auch schon längst (höchst vorbildlicht) in Angriff genommen habt? ^.~

Ich persönlich tendiere ja weniger zum Vornehmen guter Vorsätze, sondern viel mehr dazu mit dem neuen Jahr (und zwischendurch... - also doch irgendwie recht häufig ^^') auf andere Gedanken und neue Ideen zu kommen. Das gilt sowohl für die kreativen Sachen als auch die Pläne rund ums Veralagswesen mit dem Stichblatt. Da ich Letztere in meiner vorangegangenen Kolumne zum Jahresausblick ja erstmal ausreichend dargelegt habe (nicht, dass da inzwischen nicht schon wieder was Neues aufgeploppt wäre ^^'), dachte ich mir, dass ich heute mal den schriftstellerischen, ideenfindenden Anteil angehe. ^^

Wenn auf eine Idee die nächste folgt

In einer meiner ebenfalls vorangegangen Kolumnen hatte ich mich ja über das Beenden bzw. Fertigstellen meiner Geschichtenprojekte  ausgelassen. Doch wie es eben so ist - und jeder Befürchtung zum Trotz, dass es nun eine gewisse Ruhe zu genießen gäbe -, ließ der Ideennachschub für neue Projekte nicht lange auf sich warten ... ^^'

 

Jedenfalls fand ich mich kurz nach Weihnachten auf dem Sofa neben einer großzügig ausgebreiteten Menge Notizzettel, einem stapel Weltraum- und Astronomie-Magazinen sowie beim Durchsuchten entprechender Dokumentationen wieder. Jap, mein nächstes Pojekt soll in Richtung Science Fiction gehen und dafür nutzte ich die Ruhe des Jahreswechsel einfach mal zur Recherche und um ein paar für mich offene Fragen zu beantworten. Das Ende vom Lied war schließlich, dass ich plötzlich zwei fortgeschrittene Romankonzepte und zudem die Einstiegszene für den dritten Band unseres Hexenkaters Tyrrin vor mir liegen hatte. (Nur nochmal der Klarheit halber, der Hexenkater ist und bleibt natürlich vorwiegend phantastisch. Na ja, obwohl im zweiten Band Die Spaltlichtpost auch schon was aus den Sci-Fi-Genre eingeflossen ist, aber das sei hier und jetzt erstmal nur so dahin gestellt. ^.~)

Viele Ideen = eine "große" Geschichte. Eine Fehlannahme.

Ihr seht vielleicht schon, worauf ich hinaus will. Mancheine oder Mancheiner von euch mag sich jetzt die Frage stellen: "Wäre es nicht besser und effizienter alles einfach in die eine hammergeile Geschichte hinein zu packen? Das wäre doch DAS mega Roman-Epos-Abenteuer!" - Schön, das ist jetzt vielleicht etwas überspitz gesagt. Dennoch entspricht diese Aussage genau jener Fehlannahme, die viele Fantasy-Schreibende am anfang machen. Auch in der Szene der angehenden Mangazeichnerinnen und Mangazeichner ist eine solche Auffassung die Regel - und ich nehme mich da ganz und gar nicht aus. (Immerhin sitze ich ja bereits auf einer angebrochenen Debüt-Trilogie und einer Fantasy-Reihe, deren Ende bisher nicht absehbar ist und die aber zum Glück als stetig fortlaufende Blog-Geschichte eher dem Prinzip des Monatsmagazins als einer Romanreihe folgt ... ^^') Ich vermute der Grund für diese Herangenesweise ist einfach der, dass wir es gar nicht anders kennen. Viele Fantasy-Autorinnen und -Autoren sind mit Trilogien und mehrbändigen Reihen bekannt geworden. Ähnlich sieht es bei den in Deutschland bekannten Mangaka aus, nur dass hier Reihen mit der Anzahl ihrer Bände meist weit in den zweistelligen Bereich hereinreichen.

 

Wenn das jetzt aber alle so machen, warum sollte man selbt denn dann nicht auch so anfangen?

Natürlich ist es schön, die eigenen Gedanken und Ideen in einer Geschichte zum Ausdruck zu bringen. Ich habe ja selbst einen heiden Spaß dabei. ^-^ Jedoch habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, dass sich eine Geschichte mit dem Einfluss von zu vielen Ideen verheddert, ihren Fokus verliert - und damit auch an Spannung und Sinnhaftigkeit einbüßt. Vielleicht kennt ihr das auch von Serien, die schon seit einigen Staffeln laufen und langsam aber sicher an "Pepp" verlieren, weil die Produzierenden nicht zum Ende kommen wollen und deshalb die Handlung in abgegriffene Muster und vielleicht sogar Klischees umschlägt. Selbst als Rezipientin oder Rezipient merken wir manchmal, dass die Story nach einer Art To-do-Liste abzulaufen scheint, die von Szene zu Szene von Handlung zu Handlung abgehakt wird, damit alles, was man sich vorgenommen hat, darin seinen Platz findet. Es ist eine echte Gratwanderung, bei diesem Vorgehen noch die Spannung aufrecht und die Geschichte interessant zu halten.

 

Ich persönlich, lege sehr viel Wert, auf die inhaltliche Aussage meiner Geschichten, die zugleich ja auch immer einen gewissen Unterhaltungwert bieten sollen. Wenn ich aber zu viele wichtige Aussagen (also Ideen ^^) mit einfließen ließe, ginge im Zuge dessen auch der Fokus flöten. Ich versuche also, ein Thema oder / und wenige damit im Zusammenhang passende Themen zu beleuchten, durchzuspielen und Fragen aufzuwerfen. Aus diesem Grund hat sich mein eines Science Fiction Projekt über Weihnachten und all den Input in zwei sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt, die beide sehr spannend sind, aber - um den Fokus zu behalten - nicht miteinander kombiniert werden können. Beide Konzepte gehen um gesellschaftliche Themen (so wie es meistens bei mir der Fall ist ^^). Das eine Konzept ist jedoch auf eine Gesellschaft beschränkt und behandelt dort sehr viele Details im zwischenmeschlichen Rahmen. Das andere (und eigentlich ursprüngliche) Projekt befasst sich mit Unterschieden zwischen verschiedenen Gesellschaften und vertritt eine völlig andere Herangehensweise der Welterkundung. Na ja, und dann sprang wie gesagt noch irgendwann mein Hexenkater da so mitten rein, aber der hat ja zum Glück schon sein angesammtes Territorium. ^.~

Ordnung und kreatives Schreiben: Warum eigentlich?

Natürlich könnte jemand, mit gesundem Menschenverstand und einem Hang zur systematischen Herangehensweise jetzt auch noch sagen: "Ja, mach' doch erst einmal das eine Fertig, bevor du dir schon wieder so viele neue Baustellen suchtst."

 

Ich gebe zu, ich habe diesen Hinweis schon recht oft gehört und wahrscheinlich noch sehr viel häufiger bei mir selbst gedacht. Allerdings gibt es bei diesem - offenbar von einem sehr besonnenen und pflichtbewusten Menschen eingeführten - Ratschlag einen, wie ich finde, sehr hinderlichen Haken ...

 

Das Prinzip "Ich fange jetzt an und ziehe durch" funktioniert bei so kreativen Langzeitprojekten, wie es Romangeschichten nun einmal sind, nicht. Bei Kurzgeschichten, mag es vielleicht gerade noch so greifen, aber wenn ihr einen Roman auf eurer Agenda habt, werdet ihr spätestens bei der ersten kreativen Flaute oder dem ersten Stocken in eurem Schreibfluss merken, das Trotzdem-einfach-Weitermachen gar nicht so einfach ist. Mir persönlich passiert das oft, wenn mir eine Handlungsentwicklung zu vorhersehbar oder zu eintönig erscheint. In so einem Fall lasse ich die Geschichte erst einmal eine Weile (mal ein paar Tage, mal ein paar Wochen oder ein paar Monate) liegen und beschäftige mich mit anderen Geschichten und am besten auch anderen Themen und Erzählweisen. Das Gute daran ist, dass ich nicht aus der Übung komme, meine - ich sage mal - kreative Luft weiterhin in kontrollierten Bahnen ablassen kann und meist ganz unerwartet und völlig ungeplant auf die Lösung für mein Problem in der zuerst erwähnten Geschichte stoße. ^^

Der kreative Prozess braucht Routine, aber keinen Druck

Über die Jahre habe ich mir angewöhnt, mir - gerade beim Schreiben - die Zeit zu nehmen, die ich brauche, und mir die nötige Distanz zu schaffen, wenn ich irgendwo nicht mehr weiter komme. Natürlich arbeite ich auch mit Deadlines, die ich mir zumeist selbst auferlege. Das ist vor allem bei unserem Hexenkater wichtig, da die Lektionen regeläßig (etwa monatlich) erscheinen sollen. Aber auch bei meinen Buchprojekten setzte ich mir Zeitfenseter, sobald sie etwas mehr Gestalt angenommen haben und der finale Aufwand abschätzbar geworden ist (jedes Mal aufs Neue ein sehr spannender Blick in die Glaskugel ^^').

 

Es ist nicht einfach umfangreiche, geschriebene Projekte umzusetzen, doch mir hilft es immer sehr, wenn ich so ein Ziel vor Augen habe und dahingehend eine gewisse (kreativ-chaotische) Routine aufbauen kann. Andererseits habe ich auch festgestellt, dass, wenn ich mir die Deadlines zu eng oder für zu große Arbeitsziele (z.B. "Buch ist am 31.12.2019 fertig.") setze, meist nix Vernünftiges dabei herauskommt und mir das ständige Vorhalten dieses Zeitdrucks den Spaß an der Sache verleidet. Besonders unanggenehm wird es dann, wenn ich bei einem Projekt nicht weiter komme. Aus diesem Grund habe ich irgendwann aufgehört, mich auf nur das eine große Zielprojekt zu versteifen und mir eine relativ breite und sehr facettenreiche Auswahl an Projekten zurecht gelegt, die ich nach Lust, Laune und Eingebung angehen kann. Das macht echt was aus - nur für den Fall, dass ihr auch lieber Spaß an euren geschriebenen Projekten als jede Menge Stress damit habt. ^.~

 

Oder wie seht ihr das? Wie geht ihr mit euren Ideen um? Und wie macht ihr euch an eure besonders zeitaufwendigen (geschriebenen und vielleicht auch nicht-geschriebenen) Projekte? ^_^

 

In diesem Sinne: Ich feue mich über eure Gedanken und Ideen zur Gedanken- und Ideenverarbeitung! ^.~

 

Eure Platti

 

PS: Ich habe vor geraaaaaumer Zeit mal ein Video zum Thema "Ideen für Geschichten finden - Ideen sortieren, vewerfen & weiterentwickeln" hochgeladen. Zugegeben, die Umsetzungsqualität reicht noch nicht wirklich an die einer Hollywoodproduktion heran, aber vielleicht hilft euch das Filmchen ja mit ein paar Anregungen weiter. ^^

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