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Aufge"zeichnet" (Kolumne zum Monatsende)

Moin moin, ihr Lieben! ^^

Da sind wir schon am Ende des Oktobers angekommen und ich dachte mir, dass ich euch heute mit etwas aus meiner Praxis des Geschichtenerzählens beehre. ^.~

Ich selbst gehöre nämlich zu den Menschen, die eher über das Lesen von Comics an das (freiwillige) Lesen von Romanen herangekommen sind. Im Hinblick auf das Schreiben, war das nicht groß anders ...

Schreiben & Comic-Zeichnen: Ein Unterschied?

Eigentlich bin ich vom Comic-Zeichnen zum Schreiben ja aus Zeitgründen gewechselt und weil seiner Zeit die technischen Mittel für mich als Jugendliche in weiter Ferne lagen. Ich finde es daher umso erstaunlicher, wie einfach es hingegen mit der heutigen (und vergleichsweise sogar preiswerten) Technik ist. Das Comic-Zeichnen steht dem Schreiben im Hinblick auf den Aufwand bei der - ich sage mal - professionellen "Produktion" (in Anlehnung an "Filmproduktionen") nicht mehr wirklich in etwas nach, obwohl sich die Abläufe bei eben dieser Produktion notgedrungen stärker unterscheiden können.

 

Hier mal  ein Beispiel bzw. eher zwei, damit ihr versteht wovon ich hier überhaupt spreche ... ^^

Der Prozess der Buchproduktion (stark vereinfacht ^^')

Roman (250 Buchseiten) Comic (250 Buchseiten)
Idee & Konzeption Idee & Konzeption
Manuskript wird geschrieben Storyboard mit groben Skizzen und Dialogen (nicht hübsch!)
Manuskript wird durch Autor/Autorin überarbeitet und korrigiert Lektorat (Logikprüfung, Roter Faden etc.)
Lektorat (Logikprüfung, Roterfaden etc.) Korrektur gemäß Lektorat  (gefolgt von Rücksprache mit Lektorat) und erste "richtige" Skizzen im Hiblick auf den Buchdruck und sehr grobe Gestaltung der Zeichnungen (Handlung, Ausdruck, Perspektive)
Korrektur gemäß Lektorat, ggf Überarbeitung (gefolgt von Rücksprache mit Lektorat)

Lektorat (Prüfung Ausdruck, Vertändlichkeit der Illustrationen, Spannungsaufbau)

1. Rechtschreibkorrektur durch Autorin/Autor, dann durch Korrektorat, dann durch ??? (kann man gar nicht oft genug haben ...)

Korrektur gemäß Lektorat (gefolgt von Rücksprache mit Lektorat) und Reinzeichnung (ggf. nochmal Rücksprache mit Lektorat bevor coloriert oder Schattiert wird)

Buchsatz (und besser nochmal Rechtschreibprüfung)

Buchsatz (druckfertige Texte) und Rechtschreibprüfung

Probedruck (auch für Testlesende) und beten, das keine schweren Logik und Inhaltsfehler auftreten ^^'

Probedruck (und beten, dass keine graviernden Fehler in der Zeichnung gefunden werden ^^')

Korrektur und mindest noch ein oder zwei Rechtschreibbrüfungen in den verschiedenen Medien (digital und gedruckt) ^^'

Korrektur (ggf. auch in der Zeichnung, was dann mehrere Seiten betreffen kann; im schlimmsten Fall gilt: Alles wieder von vorn ... T__T)

Druck der 1. Auflage, Veröffentlichung und Buchpremiere! ^o^

Druck der 1. Auflage, Veröffentlichung und Buchpremiere! ^o^

So, ich merke zwar gerade, wie diese Kolumne eher die Züge eines Tutorials annimmt, aber ich denke mal diese Überischt (bei der ich der Einfachheit halber mal die Korrektur der Korrekturen ausgespart habe ...^^') zeigt ein Stück weit, dass in der Buchproduktion, sei sie prosaisch oder illustriert, zahlreiche Abreitsgänge stecken, die einem als Leserinn oder Leser nicht unbedingt geläufig aber dringend notwendig und auf unterschiedliche Weise sehr Zeitraubend sind. So dauert das Illustrieren bei einem Comic (nur zum Vertändnis, ich persönlich spreche hier immer von den Comis im japanischen Stil, sprich "Mangas" ^^) mit Abstand am längsten. Während bei den guten alten geschriebenen Worten die gute alte Rechtschreibprüfung nicht selten paranoide Züge annehmen kann. @.@

 

Jetzt aber genug gejammert. ^.~ Denn ich habe vor gar nicht all zu langer Zeit erst so richtig anhand eigener Erfahrung erfahren dürfen, dass - wenn man systematisch an das Entwickeln der Geschichte herangeht (und nicht wie ich in meiner zarten Jugend (ohne YouTube & Co): ich zeichne mal alles gleich in Reinform und schau wie's ausgeht ... ^^' bööööser Perfektionismus ... >_<) - besonders bei einem Comic (mit Hilfe des Storyboards) rasch zu ersten Erfolgserlebnissen und einem kompletten Konzept-Entwurf kommen kann, der im Unterschied zu einem Roman-Konzept die volständige Handlung inklusive Dialoge abbildet. Der Informationsgehalt in einem Comic ist nämlich um einiges knapper als in einem Roman von vergleichbarem Seitenumfang. Im Comic kann sich eine Szene locker über mehrere Seiten erstrecken - gerade wenn viel "Action" enthalten ist. Wörter und Absätze regeln soetwas nicht selten kompakter. Ihr könnt das z.B. ganz gut nachvolziehen, indem ihr mal schaut, wie lange ihr zum Lesen eines Mangas und zum Lesen eines Romans mit ähnlich vielen Seiten braucht. Mit anderen Worten, bei einem Comic handelt es sich - zumindest für mich als Romanschriftstellerin - um eine sehr aufwendig umgesetzte Kurzgeschichte, die dennoch viele Seiten füllt.  ^^

 

Schön, vielleicht geht das nur mir so, aber ich finde es immer wieder spannend, mich mit verschiedenen Erzählweisen und Erzählweisen in unterschiedlichen Medien auseinander zusetzen. (Ich mag gar nicht daran denken, was los wäre, wenn ich ein ganzes Filmstudio zur verfügung hätte. XD) Neben geschriebenen und gezeichneten Büchern sitzen jüngst nämlich noch die geprochenen auf meiner Agenda, wobei ich für diese zum Glück auf bereits vorhandenes Material (in Sachen Story, Konzept und Text ^.~) zurückgreifen kann. Doch im Gegenzug dafür gibt es da noch einmal ganz und gar andere Baustellen. ^^' Lustiger Weise wäre die Überschrift der heutigen Kolumne Aufge"zeichnet" in dieser medialen Kategorie ebenfalls zu treffend. XD

Oh ja, und ich denke, genau dass könnte oder besser sollte auch meine abschließende Frage zu diesem Beitrag und zur Diskussion an euch, ihr Lieben, werden: ^.~

 

Wie haltet ihr es mit dem "Aufzeichnen" eurer Geschichten? Liegt euch ein bestimmtes Medium? Eine besondere Erzählweise? Oder eine Erzählweise eben gerade nicht? (Letzteres ist  bei mit z.B. die gute alte Lyrik. ^^') Oder seht ihr etwas vielleicht sogar völlig anders?

 

Ich freue mich, wenn ihr ein paar Gedanken unten in den Kommentaren lasst. ^^

 

In diesem Sinne: Ich wünsche euch einen schönen Reformationstag. ^_^

 

Eure Platti

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